PCH Fischer: Der Baumarkt mit der Flotten Werkzeugkiste

Es ist ein etwas anderer Baumarkt: Klein, vor Ort, ganz persönlich. Und: Mit Lastenfahrrad, der „Flotten Werkzeugkiste“. Wir trafen Torben Putsch von PCH Fischer und warfen einen Blick hinter die Kulissen dieses nachhaltig-schönen Konzepts im Gewerbegebiet Schöntal.
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Torben Putsch und seine flotte Werkzeugkiste vorm „Mini“-Baumarkt im Gewerbegebiet Schöntal

Hi Torben! Du bist ja Ur-Wetteraner, oder? Woher kommst du genau?
Aufgewachsen bin ich in Wengern, wo ich auch die Grundschule besucht habe. Zur weiterführenden Schule bin ich in Oberwengern gegangen. Seit meinem 7. Lebensjahr spiele ich in Esborn Fußball, bis auf eine vierjährige Unterbrechung zwischen meinem 15. und 18 Lebensjahr, die ich fußballerisch beim FC Wetter verbracht habe. Meine erste Wohnung, besser gesagt eine WG, hatte ich dann zusammen mit zwei Freunden in Volmarstein, danach hat es mich nach Alt-Wetter gezogen, mittlerweile wohne ich in Esborn. Nach dem Abi habe ich meinen Zivildienst in Oberwengern in einer Tagespflegeeinrichtung für Senior:Innen verbracht, im Anschluss habe ich meine Lehre zum Einzelhandelskaufmann bei PCH Fischer begonnen, das war im Jahr 2000.

Was gefällt dir an Wetter besonders, sodass es dich hier so lange hält?
Die zentrale Lage zwischen all den Städten mit viel Natur ist einfach wunderbar. ‚Wo der Pott die Natur küsst‘, ist ein passendes Motto, wie es Matthias Krahn kreiert hat. Für mich hat Wetter alles, was es braucht, um glücklich zu sein: Naherholung, Freizeitangebote, Sportmöglichkeiten und auch tolle Gastronomie. Mein Arbeitsplatz spielt natürlich auch eine gewichtige Rolle. ‚Wetter ist ein Dorf‘, das finde auch charmant, man kennt sich. 

Fast ein „Familien-“Betrieb: Zwar ist kein Fischer mehr dabei, Peter van der Weide (seit 35 Jahren an Bord) und Torben Putsch (seit 21 Jahren dabei) leiten seit Jahrzehnten die Geschicke des Wetteraner Ur-Unternehmens.

Bitte beschreibe einmal kurz die Historie von PCH Fischer und deine Rolle in all dem.
Die Firma PCH Fischer (‚Peter Caspar Heinrich Fischer‘) gibt es nun seit weit über 225 Jahren, gegründet 1792. Seit Anbeginn ein Ort, an dem man Werkzeug und Ähnliches kaufen konnte, Friedrich Harkort wird sicher Kunde gewesen sein. Seit nun 21 Jahren begleite auch ich diese Geschichte, gestalte sie und führe sie zusammen mit meinem Partner Peter van der Weide (seit 35 Jahren an Bord) in die Zukunft. Die Firma PCH Fischer ist kein ‚normales‘ Unternehmen. Wir sind besonders, das spürt man auch heute noch. Wir machen Sachen, die viele in heutiger Zeit gar nicht mehr gewohnt sind: Wir hören zu, wir reparieren, wir geben Tipps, wir verkaufen eine einzelne Schraube und so viel mehr. Es fühlt sich an wie ein Familienunternehmen, obwohl schon seit Mitte der 1970er Jahre kein ‚Fischer’ mehr im Laden arbeitet. Wenn ich an die letzten ehemaligen Inhaber denke, Willi Rüping und Wilfried Haack, ist eine Betriebszugehörigkeit von jeweils weit mehr als 50 Jahren eine wohl mehr als klare Sprache. 

Euer Laden, PCH Fischer,  ist ja kein ‚normaler‘ Baumarkt. Was macht ihn aus? 
Was PCH Fischer auszeichnet ist, wie eben schon angeklungen, das Besondere, was wir tun. Wir verkaufen nicht die einzigartige Ware, den einen individuellen, nur bei uns erhältlichen Artikel – nein. Viele von den Dingen, die wir verkaufen, kann man auch woanders bestellen, ja klar. Warum kommen die Leute trotzdem zu uns? Weil wir anders sind! Wir verkaufen nicht um jeden Preis, wir sprechen vielleicht manchmal auch einfach nur eine Empfehlung aus. Wir reparieren vielleicht einfach einen Artikel, anstatt ihn gleich neu zu verkaufen. Ein kleines immer wiederkehrendes Beispiel: Ein Kunde kommt zu uns mit einem abgebrochenen Schlüssel im Schloss und sagt: ‚Ich brauche ein neues Schloss, hier mein Muster.‘ Was machen wir? Wir gehen in die Werkstatt und holen das abgebrochene Ende raus und der Zylinder ist wieder funktionsfähig. Die Kundin, der Kunde ist glücklich und zufrieden und erzählt diese Geschichte hoffentlich in seinem Bekanntenkreis, denn das ist der Auftrag, den wir an unsere Kund:Innen haben, erzählt den Menschen, was wir hier machen! Natürlich verkaufen wir auch gerne ganz normale Artikel, ein Paket Dübel, eine Schlagbohrmaschine, eine Axt oder was auch immer. Wir nennen das ‚der besondere Standard‘. Zudem finden auch immer wieder Begegnungen zwischen privaten und geschäftlichen Kund:Innen statt, sie tauschen sich aus, geben Ratschläge.

Wir verkaufen nicht um jeden Preis, wir sprechen manchmal auch einfach nur eine Empfehlung aus. Wir reparieren vielleicht einfach einen Artikel, anstatt ihn gleich neu zu verkaufen. Wir nennen das den ‚besonderen Standard‘.

Torben Putsch, PCH Fischer

Wie bestehst du in der heutigen Zeit mit PCH Fischer gegen Riesen wie Bauhaus & Co und der ‚Geiz ist Geil‘-Mentalität?
Dadurch, dass wir es schaffen, einen persönlichen Draht zu unserer Kundschaft zu pflegen, hier ist keiner anonym, kein Geschäft zu klein, auch wenn es eben ‚nur‘ die eine Schraube ist. Jede Kundin und jeder Kunde bekommt die Zeit, die nötig ist, um dem Anliegen gerecht zu werden – egal ob privat oder geschäftlich.

Die „flotte Werkzeugkiste“ von PCH Fischer taugt nicht nur für private Ausfahrten mit der Familie (oder wie hier zum Interviewtermin mit Martin), sondern erfüllt vor allem auch im Alltag von Torben wertvolle Dienste: Viele seiner Aufträge kann er locker per Lastenrad erledigen.

Was hat es mit deinem Lastenrad auf sich? Warum nutzt du das?
2017 war unser Verein Handwerk mit Verantwortung (Initiator ist der Steinmetz Timothy Vincent, auch aus der Remestraße) zum Zeit Wissen Preis Mut zur Nachhaltigkeit nominiert, zur Preisverleihung in Hamburg hatte ich meine Familie dabei. Auf diesem Kurztrip konnte ich Privat und Beruf wunderbar miteinander verknüpfen. Wir als Familie haben uns Fahrräder ausgeliehen und sind ganz unbeschwert durch die Stadt gecruist, haben angehalten wo wir wollten, waren ganz frei. Dieses Gefühl wollten wir auch nach den Tagen bewahren. Bei der Fahrradrückgabe hatten wir dann ein gutes Gespräch mit einem der Verleiher von Hamburg City Cycles, der davon berichtete sich vom Auto verabschiedet zu haben und nur noch Lastenrad fährt. Da war mein Interesse geweckt. Nach der Heimkehr habe ich geschaut, wo man hier in der Ecke mal so ein Lastenrad testen kann und das Schicksal meinte es gut, denn keine zwei Wochen später war das E-Bike Festival in Dortmund. Dort habe ich dann James Dean Orpin von der Firma Radgebiet aus Dortmund kennengelernt, der als Austeller unter anderem Lastenräder präsentiert hatte. Für den Praxistest bei uns vor der Haustür habe ich mir dann von ihm ein Lastenrad ausgeliehen und bin die Strecken des täglichen Lebens abgefahren: Arbeit, Einkauf, Kita und so weiter. Das hat so gut funktioniert, dass ich mir daraufhin das Lastenrad bestellt habe (#einautoweniger). Neben dem privaten Gebrauch habe ich natürlich auch für die Firma ein Nutzen erkannt, daher auch der Name ‚flotte Werkzeugkiste‘. Ich mache damit Fahrten zur Reparatur, zur Montage, liefere Ware aus, hole Ware ab, was auch immer sinnvoll und umsetzbar ist. 

Wie würdest du einschätzen, ist Wetter auf Radfahrerinnen und Radfahrer eingestellt? Was ist gut, was könnte besser sein?
Für Radfahrerinnen und Radfahrer kann man sicher immer mehr machen. Hier in Wetter haben wir gut ausgebaute Radwege, mit dem Ruhrtalradweg sogar einen der wohl meist befahrenen in ganz Deutschland. Aus sportlicher Perspektive verfügt Wetter über fantastische Strecken über Stock und über Stein. Der entscheidende Punkt ist aber: Wie sieht es auf den Straßen aus? Wenn wir die Autos mehr und mehr von der Straße verdrängen wollen, Alternativen zum Auto bieten möchten, dann ist es wichtig den Radelnden Platz und Sicherheit zu schaffen. Mehr Einbahnstraßen, Sperrzonen oder Sperrzeiten für Autos einzurichten und eine gute Verknüpfung mit dem ÖPNV zu schaffen. Wetters zentrale Lage und die E-Unterstützung von Fahrrädern machen es sehr gut möglich jeden Punkt (Arbeitsplatz, Einkauf, Wohnsitz, und so weiter) in unserer Stadt zu erreichen, unabhängig vom Fitnesslevel eines Jeden. Für mich emminent wichtig und zukunftsweisend ist es, das Fahrrad mehr in den Fokus zu rücken. Kinder sollen nicht davon träumen sich nach der Schule ein Auto zu kaufen, sondern ein neues Fahrrad – das können sie im Übrigen schon während der Schulzeit. Dahin muss es gehen. Was kann die Stadt konkret tun? Eine Idee: Jedes Kind, das in die Schule kommt, erhält einen Gutschein für einen neuen Fahrradhelm, natürlich von Abus, wie sollte es ‚zu Hause‘ anders sein. Dieser Gutschein lässt sich dann bei einem ortsansässigen Händler eintauschen. Das ist eine Maßnahme, die zum einen Sicherheit schafft und zum anderen lokale Strukturen fördert. Darüber hinaus sollte es in der Kita und den Schulen selbstverständlich sein für das Thema Fahrrad, Mobilitätswende und so weiter durch altersgerechte Maßnahmen zu sensibilisieren. Generell müssen mehr Events stattfinden rund um das Thema Fahrrad. Es ist die einfachste und bekannteste klimaneutrale Möglichkeit der ‚vor-meiner-Haustür-Verkehrswende‘. Der Fokus muss einfach mehr auf das Zweirad gelegt werden. Aktionen wie die Critical Mass schaffen Aufmerksamkeit, daraus muss sich aber seitens der Stadt mehr entwickeln.

Auf der Critical Mass in Wetter zeigen immer mehr RadlerInnen Gesicht. Darunter auch mehr und mehr mit Lastenrad!

Warum lohnt es sich, sich aufs Rad zu schwingen und das Auto stehen zu lassen?
Neben den positiven Nebeneffekten der Bewegung, wie die Kräftigung des Immunsystems und eine bessere Gesundheit, setzt meiner Ansicht nach insbesondere beim Radfahren auch eine gewisse Entschleunigung ein, ein besonderes Lebensgefühl. Ich bin zufriedener, entspannter, kann während des Radfahrens besser nachdenken. Lebe bewusster, schärfe meine Sinne, sehe mehr, höre mehr, spüre die Luft, rieche die Umwelt. Gründe, das Fahrrad stehen zu lassen, gibt es aus meiner Sicht keine plausiblen, nur vorgetäuschte. Aus Erfahrung sage ich: Schlechtes Wetter gibt es aufgrund guter Kleidung definitiv nicht! Nicht zuletzt habe ich ganz persönlich eine Verpflichtung meinen Kindern gegenüber: Ich bin ein Vorbild. Warum sollte ich daher durch den Umstieg auf das Fahrrad und den partiellen oder sogar kompletten Verzicht auf das Auto dieser Vorbildfunktion nicht gerecht werden? Auch dafür gibt es keinen vernünftigen Grund.

Nicht zuletzt habe ich ganz persönlich eine Verpflichtung meinen Kindern gegenüber: Ich bin ein Vorbild. Warum sollte ich daher durch den Umstieg auf das Fahrrad und den partiellen oder sogar kompletten Verzicht auf das Auto dieser Vorbildfunktion nicht gerecht werden?

Torben Putsch, PCH Fischer

Wie stehst du generell dem Thema Nachhaltigkeit gegenüber? Ist dir ein nachhaltiger Lebensstil wichtig und wenn ja, warum?
Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt mich in der Nachbetrachtung schon sehr lange. Es hat für mich viel mit Bewusstsein zu tun, sich bewusst sein darüber, was man macht, sich bewusst machen, was mein Lebensstil anderen abverlangt, sich bewusst sein darüber, dass man im Grunde viel weiß, dennoch die Augen verschließt. Beruflich konkreter für mich ist das Thema im Zusammenhang mit unserer Mitgliedschaft im Verein ‚Handwerk mit Verantwortung‘ geworden, Thema nachhaltig wirtschaften, Lieferketten hinterfragen und vieles mehr. Wir als Betrieb bilden aus, in den vergangenen zehn Jahren haben wir vier Azubis ausgebildet, ein großes Stück Nachhaltigkeit, finden wir. Wir arbeiten nachhaltig, denn wir reparieren, wir beraten über den richtigen Umgang mit dem Artikel, den wir verkaufen – auch das ist Nachhaltigkeit, da wir unsere Kundschaft dadurch sensibilisieren und dafür Sorge tragen, dass Artikel länger halten, weil sie korrekt behandelt werden. Ein nachhaltiger Lebensstil für mich persönlich bedeutet unter anderem, viele Strecken des alltäglichen Lebens mit dem Fahrrad zu absolvieren. Lokal einzukaufen, lokal zu unterstützen, Vereine zu unterstützen, meine lokale Infrastruktur zu unterstützen, denn damit unterstütze ich unmittelbar die Menschen meines direkten Umfelds, Menschen die man kennt, Menschen die mir im Zweifel helfen und unter die Arme greifen. Das ist auch nachhaltig, denn es schafft nachhaltig Vertrauen. 

Wie definierst du für dich ‚glücklich zu sein‘?
Aus privater Sicht machen mich meine Familie, die Menschen um mich herum und der Sport glücklich, aus all dem ziehe ich mein privates Glück, meine Zufriedenheit. Berufliches Glück definiert sich für mich wie folgt: ‚Es macht mich glücklich, wenn ich spüre geholfen zu haben und die Kundin/der Kunde zufrieden ist, sie mit einem Lächeln auf den Lippen den Laden verlassen, weil wir helfen konnten‘. Diese ehrlichen und unmittelbaren Rückmeldungen, sind für mich stets Ansporn und Motivation diesen Job zu machen. Denn wir schaffen so (Kunden-)Zufriedenheit. Für mich ist es sicher möglich einen Job zu finden, der weniger Stunden Arbeit und gleichzeitig mehr Geld ermöglicht, aber macht mich das glücklich? Aus voller Überzeugung kann ich sagen: Nein!

Schau doch mal bei Torben und seiner Flotten Werkzeugkiste vorbei!

Pet. Casp. Hch. Fischer – PCH Fischer
www.pchfischer.de
Remestr. 10
58300 Wetter (Ruhr)

Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag: 7:30 bis 17 Uhr
Mittwoch: 7:30 bis 15 Uhr
Samstag: 8 bis 12 Uhr

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